Geschichte der Deichmühle


Die Bockwindmühle

Die erste Mühle war eine hölzerne Bockwindmühle.                                                                                Vermutlich stand sie schon im 13. Jh. in der Nähe des jetzigen alten Mühlenplatzes.                                                 Der Name „Deichmühle“ bezieht sich auf den alten Hafendeich, an dem sie stand.
Schriftliche Quellen datieren aus dem 16. Jh.:
Die Mühle wurde demoliert und durch den Grafen Edzard II wieder aufgebaut.
Im Ständekrieg gegen die Fürsten erfolgte wiederum eine teilweise Zerstörung.
1734 ging die Mühle dann von Fürstenbesitz an einen privaten Müller über.
Im Laufe der Zeit wechselten die Besitzer und witterungsbedingt waren auch laufend                                             Reparaturen an der Mühle fällig.

 Foto: Archiv Deichmühle


Um 1900 war sie im Besitz des Müllers Ulferts. Er plante bereits den Bau einer neuen
Mühle auf dem alten Mühlenplatz. Als er verstarb, erbte seine Frau die Mühle.
Zu dieser Zeit war der Müller Weert Meyer auf der Nachbarmühle in der Gnurre tätig.
Sein Pachtvertrag endete und er kaufte die alte Deichmühle.
Er wusste, dass die Mühle nicht mehr modern genug für die Zeit war.                                                                    Um weiter arbeiten zu können, musste er investieren: Die Bockwindmühle wurde kurz vor der                            Jahrhundertwende ein letztes Mal renoviert.



Die Galerie-Holländermühle „Deichmühle“

Weert Meyer kannte das Arbeiten auf einer großen Galerie-Holländermühle. Für ihn war                                       der Kauf der alten Deichmühle ein Rückschritt. Schon der alte Müller Ulferts hatte Probleme                                  mit dem Wind: Der hohe Hafendeich, und die zunehmende Bebauung in der Nachbarschaft                     ermöglichten nur noch einen sehr eingeschränkten Betrieb: Müller Meyer musste handeln.
Er stellte einen Bauantrag für den Bau einer neuen, dreistöckigen Galerie-Holländerwindmühle.
Pläne wurden gezeichnet und Anträge gestellt. Der Bauplatz wurde vermessen.                                                  Die neue Mühle sollte genau auf dem Standort der alten Mühle errichtet werden.
Doch die Baugenehmigung wurde nicht erteilt.

Aus Brandschutzgründen sollte der Bau der Neuen Mühle nicht erfolgen. Es waren verschiedene              Holzlagerplätze in der Nachbarschaft.
Eine brennende Mühle, so war die Meinung der Behörde, hätte das Umfeld mit anstecken                                  können. Brennende Mühlen hatte die Stadt schon mehrere gesehen.
Müller Meyer ging gegen diese ablehnende Haltung an und errang, nachdem er eine Beschwerde                           an den Regierungspräsidenten in Aurich geschrieben hatte, eine Baugenehmigung.
Diese Genehmigung war mit Auflagen bei der Bauausführung der Mühle behaftet:
Eine eiserne Flügelwelle, ein Blechdach und eine Blitzableiteranlage waren Vorschrift.
Vielleicht war es die euphorische Stimmung des neuen Jahrhunderts, die Meyer dazu bewegte,                          dann die Mühle als vierstöckige Windmühle zu bauen zu lassen. Vielleicht wollte er aber auch nur einen             Zwilling zur Nachbarmühle (Ahten) errichten, auf der er einst gearbeitet hatte.

1900 wurde die alte Mühle abgerissen und mit dem Bau der neuen Mühle begonnen.
Der Mühlenbauer Dirks aus Emden führte diese Arbeiten aus. Gegen Ende des Jahres war                                         bereits ein teilweiser Geschäftbetrieb möglich.
1901 erfolgten dann die letzten Arbeiten an der Inneneinrichtung.                                                                   Das alte Müllerhaus passte nicht mehr in das Bild der neuen Häuser der Bahnhofstraße.
Es erhielt eine neue Fassade im Stil des Historismus.


 Foto: Archiv Deichmühle

1908 erfolgte der Bau des Motorhauses. Ein Gasmotor konnte einen Mahlgang und einige Maschinen vom                  Wind unabhängig antreiben.
Um 1913 erhielt die Mühle eine automatische Kappendrehvorrichtung mit Kegelrollenkranz und Windrose.
Mit dem Bau der Deichmühle durch Weert Meyer erhielt die Stadt Norden ein neues Wahrzeichen:                        Die Mühle liegt genau in der Flucht des „Neuen Weg“.                                                                                 Zahlreiche Photographen ließen Postkartenmotive entstehen, teilweise mit den beiden Mühlen von                        Johann Ahten und Weert Meyer.   

Seit 1929 ist sie die letzte, erhalten gebliebene Mühle
im südlichen Eingangsbereich der Stadt Norden.


Die Bontjes-Mühle

Nach dem ersten Weltkrieg, erwarb Rolf Bontjes 1919 die Deichmühle von Gerd Meyer,
dem Sohn von Weert Meyer.
Die Mühle soll zu dieser Zeit nicht mehr wirtschaftlich gearbeitet haben.
Rolf Bontjes kam aus Leezdorf und hatte auf der dortigen Mühle gearbeitet.
Anfang der 20er Jahre investierte er in den Ausbau der Mühle. Das Motorhaus wurde erweitert,                            ein dreistöckiges Lagerhaus und ein neues Wohnhaus an die Mühle angebaut.
Das Lagerhaus sollte zum Trocknen und Lagern des Getreides dienen. Für sich und seine Familie                    entstand das neue Wohnhaus an der Bahnhofstraße.
Kurz nach der Inflation geriet er in erste Rechtsstreitigkeiten wegen der Bezahlung des Lagerhauses.               Gebaut wurde das Lagerhaus von der Firma Neumann in Norden.
Vermutlich waren einige Gebäudeteile auch vermietet gewesen. Hierzu gibt es aber kaum Quellen.
Ende der 20er Jahre wird das Oberteil der Ahten-Mühle abgetragen. Die Nachbarmühle verschwindet                      bis auf den Unterbau.

                            Hafendeich mit Frau Bontjes und Tochter Erna (links) um 1928                                             Foto: Archiv Deichmühle

Mitte der 30er Jahre war ein Teil des Wohn- und des Lagerhauses an die Firma Wilken-Tee
verpachtet. Dort wurde Tee gemischt und auch abgepackt.
Die Mühle befand sich in einem schlechten Zustand. Durch Blitzschlag brach ein Flügelteil ab                                  und die Windrose war defekt.
Vermutlich konnte Müller Bontjes durch Aufträge für die Heeresverpflegung die Mühle wieder in                          Gang bringen. Leider ist über diese Zeit im 2. Weltkrieg wenig bekannt.
Aus der Nachkriegszeit gibt es Aufzeichnungen über Renovierungsarbeiten: 1947 erfolgte ein Anstrich                   der Mühle, 1948 konnte ein neuer Flügel eingebaut und der Wetterbalken erneuert werden.

 Archiv Deichmühle


Der Mühlenbetrieb muss Anfang der 50er Jahre recht gut gelaufen sein. Take Janssen war als Müller                      bei Bontjes beschäftigt. Er berichtete: „Die Mühle war so voll Getreide, dass sie fast überlief " ...
"Es wurden Graupen für den Konsumverein und Edeka hergestellt“
1957 pachtete M. O. Kalverkamp die Mühle. Einige Investionen erfolgten. Er richtete z.B. einen                   elektrischen Sackaufzug ein.
Das Pachtverhältnis dauerte nicht lange. In den 60er Jahren ist dann die Raiffeisen-Bezugs- und            Absatzgenossenschaft Pächter der Mühle. In diese Zeit fällt der Ausbau der Mehlproduktion                                 (Sichter und Walzenstühle) und des Pellsteins.
Die Mühle wird zur Getreidelagerung und zur Herstellung von Futtermitteln genutzt. Düngemittel                      lagerten in den Nebengebäuden
Die Windkraft wurde bis ca. 1968 noch genutzt. Der gewerbliche Betrieb endet 1974.



Die Deichmühle ab 1974

 Foto: Hermann Wagener 1974

Nach dem  Kauf der Mühle durch Maria Anna Wagener wurde die alte, baufällige Flügelrute erneuert.  

Die Mühle konnte nach der Restaurierung durch niederländische Mühlenbauer wieder mit Wind arbeiten                   und wurde erstmals für die Feriengäste in den Sommermonaten geöffnet.

 Plakat ab 1976 , Archiv Deichmühle

Die folgenden Jahre waren von Auseinandersetzungen mit dem Straßenverkehrsamt bestimmt.                          Grund war der Bau der Bundesstraße und der Kreuzung in direkter Nähe zur Mühle.

Der NDR berichtete in einem Fernsehbeitrag und Zeitungen schrieben über diese Schwierigkeiten.

Die Straßenplanung ließ sich weder ändern noch aufhalten. Nachdem das Haus von Carls abgerissen                          wurde, war klar, dass die Landschaft unterhalb der Mühle nun größtenteils aus Asphalt bestehen würde.

            Foto: Hermann Wagener 1975

Fortsetzung folgt.
Christoph Wagener M.A. 2009